 |
- VOM BILD ZUM WORT
- Chiara Modenesi
- Acting - 6. Juni 1998
Nach den Erfahrungen an der Seite Bellocchios bietet Massimo Fagioli
in seinem ersten Film ein Fresko der menschlichen Realität an und des
Unbefriedigtseins, das sie häufig umgibt.
Statt einer Geschichte zeigt der Film eine Reihe von Szenen, in deren
Mittelpunkt eine Frau steht, die trotz beruflicher und sozialer Anerkennung
einen Mangel empfindet, Mangel an "etwas", das sie selbst nicht
begreifen kann.
Die Bedeutung des Bildes im Verhältnis zum Wort ist das grundlegende
Element des Geschehens; das Bild gelangt dorthin, wo dem Wort der Zugang
verwehrt ist, kann Gefühle hervorrufen, als Vermittler zu einer Reflexion
überleiten. Deshalb ähneln die Dialoge eher Monologen als Gesprächen,
und statt einer einfachen Begleitfunktion übernimmt die Musik eine
rezitierende Rolle.
Form und Idee, Stereotyp und Substanz, das sind die Schienen, auf denen
sich die Protagonisten bewegen; zwischen einer in ihrer Nacktheit dargestellten
Körperlichkeit und einem Idealbild, in der Gestalt des Clochards ohne
Antlitz. Es deutet darauf hin, daß die Idee weder Identität noch
Bewußtsein besitzt und sich in einer Dimension des Intellekts bewegt,
in der das Sein mit seiner "körperlichen Hülle" keinen
Platz findet.
Mann und Frau werden hier nicht nur in ihrem Wesen und ihren Gefühlen
dargestellt, sondern auch von ihrer tätigen Seite; das, was sie ausmacht,
ist auch das, womit sie sich beschäftigen: sie, Architektin, er, Psychiater.
Beide Berufe, wenn auch mit Unterschieden, finden ihren Berührungspunkt
darin, daß der Architekt jemand ist, der baut und damit einem typisch
menschlichen Anspruch, nämlich dem des Konstruierens, entspricht. Dem
Verlangen nach Ewigkeit, das sich hinter jedem Künstler verbirgt, der
sein Werk (egal, ob es sich um ein Gebäude oder ein Gemälde handelt)
als eine Art persönlicher Urkunde sieht, die in der Geschichte erhalten
bleibt und ihm in gewisser Weise Unsterblichkeit verleiht.
"Mondhimmel" (Il cielo della luna): ein Film, der die Absicht
hat, bestimmte Inhalte zu vermitteln, Fragen zu stellen und sich dabei der
Magie der Leinwand bedient.
|