MASSIMO FAGIOLI
Angaben zum Autor

Nach dem Medizinstudium an der Universität Rom und der Ausbildung zum Facharzt für Neuropsychiatrie war Massimo Fagioli zunächst an der psychiatrischen Anstalt Venedig tätig und richtete anschließend am Psychiatrischen Krankenhaus Padua eine der ersten Therapeutischen Gemeinschaften Italiens ein.

Nach der üblichen Ausbildung als Psychoanalytiker und zehnjähriger analytischer Arbeit stellte Fagioli 1971 mit dem Buch Istinto di morte e conoscenza ("Todestrieb und Erkenntnis") die theoretischen Ergebnisse seiner Tätigkeit den psychoanalytischen Fachkreisen vor. Es folgten die Bücher La marionetta e il burattino (1974) , Psicoanalisi della nascita e castrazione umana (1975), Bambino donna e trasformazione dell'uomo (1980). Die Veröffentlichung von "Istinto di morte e conoscenza" hatte Reaktionen verschiedenster Art zur Folge, die schnell zu einem generell feindlichen Klima führten und 1976 im Ausschluß aus der Psychoanalytischen Gesellschaft Italiens gipfelten.

1975 lud das Psychiatrische Institut der römischen Universtät La Sapienza (Dienst für Psychotherapie) Fagioli als Supervisor ein. Aufgrund des massiven und spontanen Zuflusses interessierter Personen verwandelte sich die Supervisionsgruppe rasch in analytische Seminare (die sogenannte "analisi collettiva"), die seitdem ohne Unterbrechung abgehalten werden. Seit 1980 haben sie ihren eigenen privaten Sitz in der Via Roma Libera.

Massimo Fagioli begann im Sommer 1985, sich direkt mit dem Kino zu befassen, als er auf Einladung des Regisseurs Marco Bellocchio aktiv an den Aufnahmen von "Teufel im Leib" teilnahm. Wie bekannt, erzählt der Film von einer jungen Frau, die Gefahr läuft sich zu normalisieren; die Begegnung mit einem Heranwachsenden, in den sie sich verliebt, rettet sie davor.

Einen weiteren wichtigen Moment im filmischen Werdegang Fagiolis stellt das gemeinsam mit Bellocchio verfaßte Drehbuch des Films "La condanna/Die Verurteilung" dar: In seiner Suche nach einer realen, vielleicht idealen Beziehung zur Frau gerät die männliche Hauptfigur, ein Architekt, in einen Prozeß wegen Vergewaltigung und läßt sich verurteilen, obwohl er unschuldig ist. "Die Verurteilung" gewann 1991 den Silbernen Bären der Berliner Filmfestspiele und den Globo d'oro der Auslandspresse.

1992 schrieb Fagioli das Drehbuch "Il Sogno della Farfalla" (Der Traum des Schmetterlings), das von Bellocchio 1993 verfilmt wurde. Die Hauptfigur Massimo - ein junger Mann, der im Film kein Wort spricht - muß sich mit der Gleichgültigkeit und psychischen Destruktivität der anderen messen und setzt ihnen die Unbegreiflichkeit, die Schönheit seines Schweigens entgegen. "Il Sogno della Farfalla", den Bernardo Bertolucci für einen der schönsten italienischen Filme hält, eröffnete 1994 die Sektion Un certain regard des Filmfestivals Cannes und gewann im gleichen Jahr den Preis für die beste Kamera beim brasilianischen Filmfestspiel Gramado.